Fritz Muliar "Melde gehorsamst, das ja!"
Styria Pichler GmbH & Co KG | ISBN: 3222131295 | 2003 | PDF | 280 pages | 20.4 Mb
Fritz Muliar, Jahrgang 1919, hineingeboren in die ideologischen und konfessionellen Spannungen der Zwischenkriegszeit, aufgewachsen zwischen deutsch-nationalem Großvater, jüdischem Stiefvater und liberaler Mutter, hatte schon als Junge die große, beständige Liebe seines Lebens gefunden: seine Heimat Österreich. Dass er einmal Schauspieler werden würde, machte schon der grimassierende Vierjährige klar, hoffnungsvolle Anfänge an Stella Kadmons legendärem Kabarett „Der liebe Augustin“ wurden durch die blutige Realität des Zweiten Weltkriegs unterbrochen. Ausführlich erinnert sich der Autor an seine Kriegsjahre als gar nicht so „braver Soldat Muliar“, für den Schwejks Spruch „Melde gehorsamst, das ja!“ in diesem Fall so gar nicht galt - war ihn um ein Haar das Leben gekostet hätte. Seine ganz besonderen Fähigkeiten und Qualitäten konnte Muliar allerdings in englischer Kriegsgefangenschaft zeigen: Er war wohl der einzige Soldat in deutscher Uniform, der je als „zehnter Mann“ einen jüdischen Gottesdienst der britischen Offiziere ermöglichen konnte ...
Die Schauspielkarriere des Fritz Muliar begann - endlich! - nach dem Krieg in Graz, setzte sich am Wiener Raimundtheater und in Karl Farkas‘ auferstandenem Kabarett „Simpl“ fort, bis er sich in einem wahren Triumphzug ein Wiener Theater nach dem anderen eroberte: zuerst das Volkstheater mit Nestroy und Brecht, dann die Josefstadt mit Anouilh und Boulevard, das Burgtheater wieder mit Nestroy und Mitterer, die Wiener Staatsoper schließlich als Njegus und Frosch.
Muliars Karriere vor der Kamera führte von deutschen Lustspielfilmen über faszinierende Rollen in anspruchsvollen Fernsehspielen von Axel Corti und Michael Kehlmann bis zu den inzwischen legendären Abenteuern des brave Soldaten Schwejk“. Österreichische Literatur vorlesend, jüdische Witze erzählend, wienerische Lieder singend, als Schwejk böhmakelnd, ist er das Symbol für die Vielfalt, die Möglichkeiten und den kulturellen Reichtum dieses Landes überall dort, wo man Deutsch spricht. In zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften ist Fritz Muliar als kritischer, unbeugsamer politischer Geist hervorgetreten und hat schon in einigen Büchern aus seinem Leben erzählt. Allerdings noch nie in der zusammenhängenden Form einer Lebensgeschichte wie im vorliegenden Band.
Als Fritz Muliar mit Ende der Spielzeit 2002/03 noch einmal vom Theater in der Josefstadt Abschied nahm, kündigte er dem Theater zwar die „Ehe“ auf, nicht aber die Liebe, und erklärt sich zu „Seitensprüngen“ immer bereit. Auch dieses Buch ist ein „Wortbruch“ des Wortgewandten, der eigentlich nichts mehr schreiben wollte und sich doch noch einmal auf vieles besann, das er noch nie erzählt hat.
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